Es ist so. Ich kann sie nicht mehr sehen. Überall übergroße Smartphone-Touchpad-Handys. Es ist ekelhaft. Wo ich hingehe, stehen die Menschen da, versunken in das kleine Teil und patschen mit ihren Fettfingern drauf rum, immer, jederzeit und immer erreichbar. Und wenn ich dann noch manche Piraten sehe, die in Talkshows sitzen und meinen live twittern zu müssen, um der „Netzgemeinde an der Basis“ die aktuellen Stände mitzuteilen und davon reden dass es 2013 einen (O-Ton, ich schwöre!) „Legislaturwechsel 2.0“ gäbe, kommt mir mein Essen von letztem Samstag wieder hoch.
Aber das nur am Rande. (Wahrscheinlich sitzt da der Redakteur, der sinnbefreiten Talkshow in seinem miefigen Büro und denkt sich die Idee aus, dem Pirat 50 Euro in die Hand zu drücken und zu sagen „Hier, und dafür spielst du mit deinem Handy rum und twitterst ein bisschen und lässt ein bisschen die Piraten-Attitüde raus hängen“. Kredibilität und so.)
War es denn nicht mal chic, ganz kleine und flache Handy zu haben? Hm, mittlerweile sind die Teile wieder größer als meine Fernbedienung und schwer wie mein Toaster. Aber sie haben INTERNET! Mensch, ja, stimmt – jetzt weiß ich‘s wieder, wieso ich so was UNBEDINGT haben muss. Schnell!
Verachtung ist schon zu soft gewähltes Wort. Aber die Piraten sind ja nicht das Übel (die sind mir egal), das Übel sind die Parteilosen, die das Spiel mitmachen. Die, die vor mir in der Kasse stehen und schnell noch auf Facebook gucken müssen, was grade los ist. Und erzählt mir nichts über irgendwelche Vorteile. Muss man denn wirklich IMMER online sein? Habt ihr es so nötig? Seid ihr so wichtig, dass ihr immer und überall erreichbar sein müsst? Und selbst beim Kacken auf dem Klo in eurer Stammkneipe nach euren neusten Spam-Mails sehen müsst?
Jaja, wenn du erst mal ein Iphone (mir egal, von mir aus auch LG, Sony, blubber) hast, willst du es nie wieder missen, hör ich es aus allen Ecken schreien. Hm, ich kann mich dafür nicht begeistern, auch wenn meine Frau ein ebensolches (keinen Apfel) hat. Ich finde es 1. Zu teuer 2. Unbrauchbar. 3. Statussymbol. – Mein Penis ist nicht so klein, dass ich das bräuchte.
Und wenn sich jetzt jemand über diesen Absatz beschwert, versteht er Ironie nicht und enttarnt sich selbst. Also nur zur, Ihr Pappnasen.
Yeah! Neue Hasstirade.
Flurgespräche
Er: Können Sie mir eine Liste von allen Ländern in Europa machen, die wir beliefern und die Versandkosten dorthin?
Ich: Ja
30 min später
Ich: Hier bitte.
Er: Danke
1 min später
Er: Herr Dawson
Ich: Ja?
Er: Da fehlt was.
Ich: Hm, was?
Er: Andorra.
Ich: Ja, aber die Wahrscheinlichkeit liegt da eher bei 0 dass da überhaupt jemand was kauft – und wenn, dann kauft er es eher in Spanien oder Frankreich.
Er: Aber sie besteht,
Ich: Ja.
Gehe aus dem Raum.
Deutsche! Kauft nicht bei 1&1
Sehr geehrte Damen und Herren,
Da es telefonisch etwas schwerfällig bei Ihnen zugeht, versuche ich es nun auf dem schriftlichem Weg, unser Problem ausreichend zu schildern um diese kafkaeske Situation endlich vollständig zu klären.
Im Januar 2012 bekamen wir, da wir im November 2011 umgezogen sind und einen Tarifwechsel vollzogen hatten, aus Ihrem Hause die FritzBox 7170 (in schwarz) zugestellt. Diese Box wurde aber von uns wieder zurückgeschickt (s. Anlage 1), da wir noch unsere alte FritzBox 7170 (in rot) von der Telekom angeschlossen hatten und somit keine Verwendung dafür fanden.
Nachdem wir die FritzBox 7170 zurückgeschickt hatten, riefen wir, da wir keine Rückmeldung Ihrerseits bekamen, bei Ihnen an um zu fragen, ob die Box angekommen sei. Dies wurde bestätigt, es wurde auch bestätigt, dass keine Forderungen Ihrerseits mehr offen sind.
Am 29. März kam dann ein Brief der Fa. Creditreform mit der Bitte um Zahlung von 258 Euro (s. Anlage 2). Dieses Schreiben kam ohne eine einzige vorige Mahnung resp. Anruf von Ihnen. Auch stand nicht dabei, wofür dieses Geld zu zahlen sei. Laut dem zuvor geführten Gespräch mit Ihnen, waren ja angeblich keine Forderungen mehr offen.
Bei einer telefonischen Nachfrage bei Creditreform sagte man meiner Frau, Tiziana Schuster, dass ihr an bestimmten Tagen ein Betrag über 199 Euro gutgeschrieben worden sei und dieser angeblich kurze Zeit später wieder abgebucht wurde aber, aus irgendeinem mir unbekannten Grund, nicht funktionierte. Somit entstand lt. Creditreform diese Forderung.
Dies ist nicht richtig. Wir bekamen nie eine Gutschrift und es wurde auch nie etwas abgebucht, außer unserer normalen Telefon/Internet-Gebühr. Dazu kann ich Ihnen gerne Kopien von Kontoauszügen zuschicken, die genau das belegen können, wenn sie es verlangen. Zudem hätten wir, lt. Creditreform, einige Mahnungen per Brief und per E-Mail bekommen und darauf nicht reagiert. Aber das geschah ebenfalls nicht. Wir haben keine einzige Mahnung aus Ihrem Hause bekommen. Creditreform verwies uns dann direkt zu Ihnen und gewährte uns einen Zahlungsaufschub von zwei Wochen.
Als wir dann direkt mit Ihren Mitarbeitern sprachen, stellte sich heraus, dass es anscheinend Ihnen nicht darum ging, eine Gutschrift wieder einzufordern – darüber sprach von da ab niemand mehr – sondern darum, dass wir angeblich eine andere FritzBox zurückgesandt hätten, als die, die wir von Ihnen bekommen hatten. Und zwar die FritzBox 5140 (in rot). Zudem wurde uns dann in einem späteren Gespräch noch mitgeteilt, dass uns sogar zwei FritzBoxen zugesandt wurden, was später von einem anderen Kollegen wieder wiederrufen wurde. Dies sind eindeutige Unterstellungen und Lügen Ihrerseits. Falls dem so wäre, bitte ich um einen Sendungsnachweis für die zweite Lieferung.
Wir hatten nie eine rote FritzBox 5140 besessen sondern eine rote 7170, die wir immer noch haben – Sie können selbstverständlich gerne vorbei kommen und sich selbst davon überzeugen, welche Farbe und welches Modell bei uns an der Wand hängt, falls sie daran zweifeln.
Das ganze – zu vermeidbare – Chaos zeigt mir, dass in Ihrem Haus, einige Kollegen anscheinend nicht wissen, was wiederum andere Kollegen machen. Und anscheinend werden auch falsche Details in den PC eingetragen, wie z. B. ein falscher Kündigungstermin (dass wir kündigen, versteht sich natürlich von selbst), oder die Eingabe, wir hätten eine FritzBox 5140 zurückgeschickt, was, wie oben erwähnt einfach nicht der Wahrheit entspricht. Einige Mitarbeiter sprachen davon, dass es jetzt geklärt sei und wir den Fall ad acta legen können, danach wurde man weiterverbunden und man bekam zu hören, dass Sie trotzdem auf Ihrer Forderung beharren. Dann wurde man wieder verbunden und wir mussten jedes Mal wieder die Geschichte von vorne erzählen weil der jeweilige Mitarbeiter über diesen Fall nicht Bescheid wusste. Das ganze ging gestern über zwei Stunden so. Und Sie werden sicher Verständnis haben, dass dies sinnlos vergeudete Zeit war.
Nun sprach also meine Frau gestern über den ganzen Nachmittag mit Ihren Mitarbeitern (u. a. mit Hr. Holubicka, Jennifer Drescher, Ute Lang, Beate Fransen, Annika Riedel, Viktoria Braun, Sandra Petrick, Sabine Völker, Fr. Jänert, Anke Funk und Markus Ullrich) – elf verschiedenen Personen – wieder ohne ein klares Ergebnis. Es kam von Ihrer Seite zu Falschaussagen aber auch zu Schuldeingeständnissen und wieder zu weiteren Forderungen, Missverständnissen und Anschuldigungen (man könnte salopp sagen, das jeder Ihrer elf Mitarbeiter etwas anderes sagte), man wird vertröstet und weiter verbunden und fühlt sich dabei wie in einer Endlosschleife.
Wir werden diese Forderung nicht zahlen. Wir haben eine FritzBox bekommen, die wir nicht wollten und diese wieder zurück geschickt. Die Forderung von 199 Euro ist daher nichtig. Wir wissen mittlerweile nicht mehr, wie der aktuelle Stand ist; Sie wollten uns zwar zurückrufen, aber auch dann, weiß ich nicht, ob das Ganze gelöst ist oder ob die Problematik wieder von vorne losgeht.
Das was Sie machen, grenzt an Psychoterror, da Sie nicht verstehen (wollen?), was wirklich passiert ist und mir keiner(!) eine verbindliche Aussage machen kann, der ich Glauben schenken und ich mich darauf verlassen kann. Das finde ich persönlich sehr charakterschwach für einen Betrieb, der mit Kundenzufriedenheit als oberste Priorität wirbt. Anscheinend sind Sie nicht darauf aus, Kunden zu werben und zu behalten sondern eher diese zu vergraulen um sich einen anderen Anbieter zu suchen. Meinen Sie ich empfehle 1&1, nach diesem Hin und Her, meinen Freunden weiter? Eher spreche ich eine Warnung aus.
Eine Entschädigung für unseren Aufwand und die ganze verlorene Zeit von Ihrer Seite wäre wirklich sehr entgegenkommend aber um ehrlich zu sein, wäre ich einfach nur zufrieden, wenn ich in Zukunft keine weiteren Schreiben mehr mit Forderungen bekäme, sondern vielmehr eine Bestätigung, dass der Fall nun endlich abgeschlossen ist.
Der Dringlichkeit wegen schicke ich Ihnen diesen Brief per E-Mail, per Post und per Fax mit der Bitte um schnellstmögliche Bearbeitung (vorzugsweise per Brief), da ich sonst Kontakt zur Verbraucherzentrale und meinem Anwalt aufnehmen werde.
Mit freundlichen Grüßen
Und sonst?
- Letzte Woche im Theater in FFM gewesen, “Traumnovelle” von Arthur Schnitzler gesehen. Ziemlich gut. Ziemlich sehr gut, wenn man das so sagen darf. Und jedes mal wenn ich alle halbe Jahre mal ins Theater gehe, fällt mir auf, dass ich öfters gehen sollte, mir fängt das Ganze an, zu gefallen und ich bin jedesmal begeistert von den Darstellern, egal bei welchem Stück.
Das Problem ist nicht der Preis (da ist meistens immer was unter 20 Euro zu ergattern) sondern eher das Angebot hier bei uns. Entweder ich kenne die Stücke nicht (selber schuld, ich weiß) oder ich hab keine Lust diese Stücke zu sehen – oder jemand anderes hat keine Lust das zu sehen (alleine ist das sehr deprimierend). Deshalb muss man weiter fahren, nach F oder mal nach P. um mehr Auswahl zu haben. Und in F gibts wirklich sehr viel Auswahl…
- Heut abend wird endlich “The Artist” geschaut. Keine Ausreden diesmal. Ich hab zwar nur ne Version mit Englischen UTs aber das passt schon.
- Rock am Ring…. ach, ich weiß nicht. Ja und nein, und irgendwie ja und absolut nicht… bin unentschlossen.
- Heute ist Freitag und schönes Wetter – also, Maul halten, ihr Probleme.
Stalker, der Film.
Stalker ist einer der Filme auf meiner „Filme, die ich gern sehen möchte, aber nie dazu komme, keine Lust habe oder immer auf den perfekten Moment warte“- Liste. Gestern hab ich ihn nun gesehen.
Kurz zu den Fakten: Russland, 1979, 160 Minuten, Farbe/Schwarzweiß/sepia.
Das waren auch die Gründe, warum ich es so lange vor mich hin geschoben habe. Wer schon mal russische Literatur gelesen hat weiß, wie ausufernd solche Geschichten werden können, wie tiefsinnig-philosophisch das Ganze werden kann, geprägt von doppeldeutigen Dia-und bedeutungsschwangeren Monologen. Und komischen Weltansichten.
Bevor ich weiter schreibe, noch ein Hinweis: Ich weiß sehr wohl, dass keiner, der hier mit liest, diesen Film je sehen wird oder gar gesehen hat. Dessen bin ich mir wohl bewusst. Denn entweder ist er euch zu lange, zu alt, oder ihr habt keine Lust auf osteuropäisches Filmgut (das sich übrigens im deutschen Filmkanon für den Schulunterricht befindet, aber das nur am Rande). Wie dem auch sei. Ich würde mich natürlich trotzdem freuen, falls sich doch mal einer oder eine darin verirrt, sich solch einen Film anzusehen, um darüber diskutieren zu können. Denn da gibt es so einiges, worüber man reden kann.
Wie auch immer, es geht – um es kurz auszudrücken – um 3 Männer, auf dem Weg in eine verlassene, endzeitmäßig verwilderte Zone im Nirgendwo eines Landes. Um dort hinzukommen verlangt es viel Aufmerksamkeit und Kraft. Der Ort sei mythisch, sagt man, jeder der dort hingeht und angekommen ist, dem werden die innigsten (!) Wünsche wahr. Soviel zum Plot.
Der Film wird als Science-Fiktion Film geführt, man könnte allerdings es auch als Drama durchgehen lassen, oder eben beides. Spezialeffekte kommen soweit ich mich erinnere gar keine vor, dafür lange, sehr laaaange Kameraschwenks, Zooms auf Gesichter, und sehr lange Monologe oder Zwiegespräche unter den Protagonisten. Der Weg ist das Ziel, sagte meine Seh-Begleiterin gestern zu mir. Vielleicht kann man es so in aller Kürze zusammenfassen.
Man muss sich darauf wirklich einlassen können, man muss ihn, um ihn ein bisschen besser (oder überhaupt erst) verstehen zu können, noch ein-zweimal sehen. Es fordert einen, wenn man nicht dabei einschlafen will, wenn 3 Männer in einer Höhle sitzen und desillusionierend Steine ins Wasser schmeißen, dann muss man sich ein wenig damit befassen, um was es geht, muss sich die gleichen Fragen stellen wie die 3 im Film. Manchmal gestaltet sich das schwierig, da ich sagen muss, dass mich das an manchen Stellen des Films reichlich überfordert hat und ich den Faden verlor und raus war. Intellektuell kam ich ab und an nicht ganz mit. Denn jedes gesprochene Wort ist wichtig. Auch jede Handlung des Films ist irgendwie wichtig und man kann davon ausgehen, dass jeder Gegenstand, der gezeigt wird, auch irgendwie seine Handlung im Film bekommt (wie bei den Simpsons, wenn Homer eine Uhr trägt, brauch er sie).
Bei aller Anstrengung diesem Anspruch gerecht zu werden, fand ich die Ästhetik des Films sehr ansprechend, auch die Auswahl der Musik oder Bildeinstellungen mehr als gelungen.
Also, ich fand den Film sehr gut, auch wenn ich nicht alles verstanden habe (man weiß ja nie, ob man das auch überhaupt alles verstehen soll) aber ich werde ihn mir die Tage nochmals ansehen. Bisher bekommt er eine Wertung von 8/10. Wer Lust hat, auf einen Film, der ein bisschen anders ist, als das, was man so2015RTLSAT1 zu sehen bekommt und Lust hat auf eine tiefsinnige Reise, sollte sich ihn mal ansehen (falls er oder sie nicht drankommt, bitte melden, ich hab ihn ja)
Aus der Reihe: Langsam nervt’s – Teil 89: „Du solltest echt Fotograf werden“.
Hin und wieder bekomme ich diesen Satz zu hören. Ich versuche das immer mit gelassener Bescheidenheit abzuwehren – man fühlt sich ja geehrt, wenn jemand das sagt, schließlich suggeriert dieser Mensch damit einem ja, dass man so gut sei, damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen – also können die Bilder ja nicht schlecht sein, so kritisch ich mein Werk auch beäuge. Einige Menschen machen das, als Hobbyfotografen - „Knipser“ - mit lausigen Kameras, oder mit überteuertem Equipment, Dinge und Menschen fotografieren und damit Geld verdienen. Und damit so viel Geld verdienen, dass sie sonst nichts anderes arbeiten müssen. Hauptberuflich also. Das ist nicht mein Ziel und Wunsch. Und davon handelt der folgende Text.
Ich nehme als Gegenbeispiel die Seite schwarz-designs, dessen Fotograf (folgend T genannt) dahinter ich persönlich kenne und mit ihm schon öfters fotografisch unterwegs war. Ich beobachte diese Entwicklung seit geraumer Zeit (ich erinnere mich an ganz frühe „Werke“ für die er sich heute vielleicht sogar schämen würde
– aber das ist eben die Entwicklung. Und die ist bei mir genauso ), finde sie interessant und teilweise inspirierend aber gleichzeitig merke ich, dass das Ganze in eine Richtung geht, die für mich selbst keine Option ist. Obwohl wir beide aus den gleichen Gründen angefangen haben. Der Faszination eines guten, kreativen und ausdrucksstarken Fotos wegen.
Ich mag das Gefühl, fotografieren zu können was ich will – und wie ich es will. Ohne Druck, ohne dass mir jemand sagt, wie er es gern hätte. Ohne, mir zu sagen, dass er es lieber schwarz-weiss hätte, anstatt sepia. Wenn am Ende das Tages was dabei ist, das wem gefällt – gut. Wenn nicht, auch gut. Denn ich mache die Bilder in erster Linie immer noch für mich. Und das soll auch so bleiben. Nur ich selbst, kann sagen, was mir gefällt, wie ich Bilder mache und wie ich sie sehe. Den Druck zu haben ein Bild machen zu müssen, ist mir immer ein bisschen unbehaglich. Wie T das sieht weiß ich nicht genau, denke aber, dass auch er bei seinen Auftragsarbeiten sicher denken wird „was für eine langweilige Pose – aber wenn der Kunde das so will, bitteschön“. Man ist dann nur noch ausführender Sklave.
Ja, ich kann gerne auch andere Menschen fotografieren – einzeln, als Paar oder mit Baby im Arm – an sich nichts schlimmes, allerdings mache ich das dann, immer noch auch für mich um mich in diesem Gebiet weiter zu entwickeln und natürlich für meine Freunde, die das wollen. Es sind aber Ausnahmen, wie gesagt. Und wenn es den Rahmen nicht übersteigt, unentgeltlich.
Ich merke, wenn man nur noch für andere Bilder schießt, verliert die Kreativität dadurch enorm. Natürlich ist es ein einfaches Geldverdienen für die Arbeit, denn irgendwann ist es ein Automatismus. Porträtaufnahmen? Alles klar, setz dich an die Wand, Blende so und so, Belichtungszeit so und so, 3 mal klicken, in den PC laden, fertig… aber dann wird es zum Müßiggang und man muss auf tausenden Hochzeiten(im wahrsten Sinne des Wortes) tanzen und Bilder machen, die man nicht machen möchte, zumindest großteils. Für einen Freund die Trauung zu fotografieren, ist eine Sache, das mache ich von Herzen gern. Aber nicht auftragsweise, im Takt. Oder Portraits en masse. Denn irgendwann kommt der Punkt, an dem ich jede Körperform in jedem Licht und in jeder Farbe und jede Emotion abgelichtet habe und beginne mich zu wiederholen. Und was komm dabei heraus wenn man sich nur noch wiederholt? Hört euch die letzten 20 Iron Maiden Platten an, dann wisst ihr was ich meine.
Bei T. sehe ich keine Verminderung seiner Qualität – das ist auch nicht der Punkt – sondern eher, dass die Kreativität durch diese Arbeit ins Stocken gerät, es wiederholt sich. Nochmal: Das ist nicht negativ gemeint, es ist nur ein Verlauf, den ich nicht möchte.
Fotografie ist Kunst. Kunst ist Kreativität. Ich will kreativ sein, will Bilder machen, die ich vorher in meinem Kopf komponiere. Ich weiß, dass wenn ich eine Firma hätte, z. B. Florian Noir Fotostudio, und ich Visitenkarten verteilen würde und Werbung auf meiner Homepage machen würde mich zu „engagieren“, ich auch Aufträge bekommen würde (und die würde ich bekommen) – meine Kreativität abflachen würde. Kann das ein Ziel sein? Nur noch Fotos auf Abruf zu machen und damit sein Geld zu verdienen, Passfotos oder Bilder fürs Familienalbum zu schießen.
Für mich ist es schön zu hören, wenn jemand sagt, dass dieses oder jenes Bild gut ist – das ist gut für die Motivation und fürs Ego sowieso. Auch ganz gut sind Bemerkungen wie „gute Schärfe, Lichtaufbau und Vignettierung“. Das zeigt, dass man sich damit länger befasst hat.
Muss man nicht, kann man aber.
Ich freue mich auch, wenn jemand sagt, er würde sich gern eines meiner Bilder an die Wohnzimmerwand hängen. Das ehrt mich in der Tat. Und ich mache gerne Abzüge meiner Bilder oder schicke ihnen die originale Datei – für Menschen, die damit was machen wollen – allerdings verlange ich dafür keine Extrakosten. Nur eben das, was es eben kostet. Den Abzug an sich.
Gehen wir mal zurück in die Vergangenheit. Warum fängt man an zu fotografieren? Weil man diese Momente festhalten will, man will eben die Zeit einfrieren und Dinge aus einem anderen Winkel betrachten (es sein denn, man mach nur rein dokumentarisch gern Fotos – das ist was anderes und absolut legitim) aber wer einmal, wirklich nur einmal abends am Strand war und versucht hat die Sonne beim Untergehen zu fotografieren und sich danach ärgert, dass das Bild so kriselt, oder einen Blaustich hat oder viel zu dunkel ist… das ist der Anfang des Ganzen. Und dann, gibt es die, die sagen „Naja, ich hab eben nur so eine billige Kamera, scheiss drauf“ oder die anderen die sagen „Mensch ich brauch eine bessere, die die Atmosphäre besser einfangen kann“. Und dann sind wir soweit…Und im Ernst, genau so fängt es an und man gewinnt seine Leidenschaft. Sicher war es bei T. ebenso. Irgendwann fängt es an, dass das Ganze nicht nur wilde Knipserei ist, sondern immer mehr an Kreativität gewinnt und man freut sich daran, etwas abzulichten, dass einen selbst überrascht und man so noch nicht gesehen hat. Aber Portraits mit Rückwand als Passbildfotos haben für mich nicht den geringsten Hauch von Kreativität. Deshalb gibt es auch keine Leistungen und Service Rubriken auf meiner Homepage und keine Visitenkarten und ich suche mir immer noch selbst meine Models aus. Ich mache Bilder. Wem’s gefällt, kann sie mögen (oder neudeutsch liken) wem nicht, der soll sie ignorieren. So mache ich das mit anderen Fotografen und deren Fotos auch. Man muss ja nicht alles gut finden. Und mir ist es auch egal, was andere Knipser machen oder von sich halten. Wenn sie einzig von der Fotografie leben können und wollen, dann ist ja alles wunderbar.
Uh, hört sich das Ganze zu idealistisch an? Ich will dabei meinen Spaß haben, ich will die Macht haben, sagen zu können, dass ich mal einen Monat lang kein einziges Mal auf den Auslöser drücken will oder nur analog oder nur Weitwinkelaufnahmen machen zu können. Diese Freiheit wird mir dann beraubt. Oder findet man sich damit ab? Ist es das? Sagt man sich, „ich fotografiere zwar langweiliges, stereotypes Zeug, aber wenigstens verdiene ich damit Geld“. Und da kann man mit Freude morgens aufstehen? („Oh, schon wieder eine Schulklasse ablichten“). Anscheinend arrangieren sich die meisten Fotografen damit. Natürlich, wenn man sich die großen der Zunft ansieht, die haben mit Fotografie so viel verdient, dass sie mittlerweile nur noch einmal im Jahr 12 Bilder für den Playboy machen und das war’s. Aber das ist ja kein Vergleich. Denn die haben zu einer Zeit angefangen, als es noch nicht chic war, zu fotografieren, als noch nicht jeder sich eine Kamera leisten konnte (wobei das heute eigentlich auch noch so ist, wenn wir von qualitativ hochwertigem Material sprechen) und es ein Privileg war, mit einer Canon mit Autofokus zu schießen. Ebenso gab es diesen Wettbewerb nicht. Es gibt hunderte Fotoseiten, wo jeder Mensch seine fotografischen Ergüsse uploaden kann, jeder kann sich Fotograf nennen, man braucht dazu keine Prüfung wie beim Metzger oder Maurer – es langt ein „.de“ hinter seinen Namen zu machen und schon ist man was. Und wenn man dann in einem Ballungszentrum wohnt – und als Kunde einen Fotografen sucht, ist man ähnlich überfordert, als würde man sich für einen neuen Handyvertrag umsehen – viele Austern, wenig Perlen. Selbst schuld, denke ich mir dann.
Ich gehe lieber 5tage8Stunden arbeiten, verdiene so mein Geld und verbringe meine Freizeit damit, kreativ zu sein. Das ist meine Form und Interpretation von Freiheit.
Ich weiß, was jetzt für Gegenargumente kommen:
„Aber man kann doch weiterhin kreativ sein“. Sicher, wenn man mal dazu kommt. Wenn ich jede Woche ein Shooting habe (muss ja, ich muss ja mein täglich Brot verdienen) habe ich sicher nicht an anderen Tagen auch noch Lust über die Wiese zu spazieren und Eichenblätter im Sonnenuntergang zu knipsen. Ich werde nur versuchen, das perfekte Bild zu machen. Es gibt dann keine private Galerie mehr, schließlich muss ich mich um Aufträge kümmern …
Ein Argument wäre auch noch „aber mir gefällt das, was ich mache sehr gut, ich fotografiere gern auf Hochzeiten und vor Leinwänden kleine Kinder“. Das einem das Spaß macht glaube ich, aber ich erinnere dann daran, warum man angefangen hat zu knipsen…
Das einzige was ich mir wirklich vorstellen könnte, wäre als freier Mitarbeiter für eine Zeitung, oder Magazin zu arbeiten und Fotos zu schießen – ohne Druck – nach meinem Willen und diese dann bereit zu stellen für Artikel und Fotoserien woran man sich gerne bedienen kann. Aber nie unter dem Deckmantel eines Auftrags „Geh nach Südafrika und mach eine Doku über die Townships“. Nein.
Daran gedacht habe ich schon seit ein paar Jahren, aber immer wieder. Aber je mehr ich mich damit befasse, desto abwegiger ist das Ganze. Ich erinnere mich immer an daran wie es war, Fotos schießen zu lassen, Schulfotos, Passfotos, Bewerbungsfotos – Kann das das selbsternannte Ziel eines jungen ambitionierten Fotografen sein, der gerade seine erste, selbst gekaufte, Spiegelreflexkamera in den Händen hält? Ich kann das nicht glauben.
Ich will kein Fotograf werden, ich will einfach nur schöne Bilder machen.